Aktualisiert am: 28.08.2026
Für rund 1,3 Millionen Telekom-Kunden steht in den kommenden Jahren eine grundlegende Veränderung an. Betroffen sind Haushalte, die ihren Anschluss ausschließlich zum Telefonieren nutzen und keinen Internetzugang darüber gebucht haben. Die Telekom will die dafür noch eingesetzte alte Technik bis Ende 2028 aus ihrem Netz entfernen. Betroffene müssen deshalb auf eine andere Anschlusslösung wechseln – und sollten die angebotenen Tarife genau prüfen.
Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, geht es um sogenannte MSAN-POTS-Anschlüsse. Sie stammen aus der Übergangsphase von der klassischen analogen Telefontechnik hin zu vollständig IP-basierten Telekommunikationsnetzen. Rund 1,3 Millionen dieser Anschlüsse sollen noch vorhanden sein.
Alte Übergangstechnik soll verschwinden
Die Besonderheit dieser Anschlüsse: Die Kunden können ihr herkömmliches Telefon weiterhin wie früher benutzen, obwohl die Telekom ihr Netz im Hintergrund bereits weitgehend auf IP-Technik umgestellt hat. Die noch vorhandene Technik verursacht jedoch zunehmend Aufwand, u. a. durch Störungen bei der Telekom.
Telekom-Sprecher Niels Hafenrichter begründete die Umstellung gegenüber Business Insider damit, dass die alte Infrastruktur störanfällig und ihre Instandhaltung teuer sei. Bis Ende 2028 soll sie deshalb aus dem Telekom-Netz verschwinden.
Betroffen sind vor allem Kunden, die einen klassischen Telefonanschluss behalten haben, aber keinen Internetanschluss benötigen. In der Telekommunikationsbranche wird diese Kundengruppe teilweise als „Schläfer“ bezeichnet.
Die Umstellung erfolgt dabei nicht automatisch durch eine bloße technische Änderung im Hintergrund. Die Kunden sollen einem neuen Tarif zustimmen.
Telefonieren künftig über das Mobilfunknetz
Als Ersatz bietet die Telekom unter anderem einen Telefonanschluss über Mobilfunk an. Dabei kommt eine spezielle Telefon-Box zum Einsatz. Das vorhandene Festnetztelefon wird an diese Box angeschlossen, die Verbindung ins Telekom-Netz läuft anschließend über LTE.
Die Telekom führt unter anderem den Tarif „Call Basic via Funk“. Nach dem offiziellen Produktinformationsblatt kostet dieser seit April 2026 angebotene Tarif monatlich 22,95 Euro ohne Endgerät. Er hat eine Mindestvertragslaufzeit von zwölf Monaten.
Die dazugehörige Telefon-Box „Call Connect via Funk“ wird von der Telekom inzwischen regulär unterstützt. Das Unternehmen stellt dafür unter anderem Bedienungsanleitungen und Firmware-Updates bereit.
Ein Vorteil dieser Lösung besteht darin, dass sich für den Nutzer vergleichsweise wenig ändert: Das vorhandene Telefon kann grundsätzlich weiterverwendet werden und auch die bisherige Festnetznummer bleibt erhalten.
Telekom-Angebot nicht unbedingt die günstigste Lösung
Allerdings lohnt sich vor der Zustimmung ein Preisvergleich. Nach den Recherchen der Frankfurter Rundschau beziehungsweise von Business Insider kostet ein Tarif mit 120 Freiminuten knapp 23 Euro monatlich. Eine Flatrate ins deutsche Festnetz wird mit 32,45 Euro angegeben. Hinzu kommen gegebenenfalls Kosten für die Telefon-Box.
Auf dem Mobilfunkmarkt sind einfache Tarife mit Telefon-Flatrate teilweise erheblich günstiger erhältlich. Verivox bezeichnet das Telekom-Angebot laut dem Bericht deshalb als nicht marktgerecht. Die Telekom widerspricht allerdings dem Eindruck einer pauschal drastischen Preiserhöhung. Nach Angaben des Unternehmens bewegen sich die neuen Tarifpreise ungefähr auf dem Niveau dessen, was die betroffenen Kunden bislang bezahlt haben.
Damit muss die Umstellung keineswegs für jeden der 1,3 Millionen Anschlüsse automatisch teurer werden. Entscheidend sind der bisherige Vertrag, der angebotene Nachfolgetarif und mögliche Gerätekosten.
Einfaches Mobiltelefon kann Alternative sein
Wer lediglich erreichbar sein und telefonieren möchte, ist zudem nicht zwingend auf die Telekom-Lösung angewiesen. Denkbar sind insbesondere ein einfaches Mobiltelefon oder sogenannte Mobilfunk-Tischtelefone. Letztere ähneln optisch einem klassischen Festnetztelefon, arbeiten technisch aber mit einer SIM-Karte im Mobilfunknetz.
Dabei sollte allerdings auf die unterstützte Mobilfunktechnik geachtet werden. Ein heute neu gekauftes Gerät sollte mindestens LTE beziehungsweise 4G beherrschen und Telefonate über LTE unterstützen.
Der Hintergrund: Die Telekom plant die Abschaltung ihres 2G-Netzes zum 30. Juni 2028. Die bislang dafür genutzten Frequenzen sollen anschließend für 4G und 5G eingesetzt werden. Die Telekom hat diesen Termin bereits offiziell angekündigt.
Ein heute noch ausschließlich mit GSM beziehungsweise 2G funktionierendes Telefon wäre deshalb keine zukunftssichere Alternative.
Problematisch bei Hausnotruf und anderen Zusatzgeräten
Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich, wenn an dem Telefonanschluss weitere Geräte hängen. Das betrifft unter anderem Hausnotrufsysteme, Alarmanlagen oder andere ältere technische Einrichtungen.
Gerade für ältere Menschen kann das entscheidend sein. Ein günstiger Mobilfunktarif ist keine Alternative, wenn das vorhandene Hausnotrufgerät anschließend nicht mehr zuverlässig funktioniert.
Die Frankfurter Rundschau weist deshalb darauf hin, dass vor der Umstellung geprüft werden sollte, ob solche Geräte mit der neuen Anschlussart kompatibel sind. Auch sehr alte Telefone können Probleme bereiten. Wählscheibentelefone werden von der neuen Funklösung dem Bericht zufolge nicht unterstützt.
Die technische Umstellung sollte daher nicht allein unter dem Gesichtspunkt des monatlichen Grundpreises betrachtet werden.
Was passiert ohne ausreichenden LTE-Empfang?
Eine weitere Voraussetzung für „Call Connect via Funk“ ist eine ausreichende Mobilfunkversorgung am Standort. Ist LTE innerhalb des Gebäudes nicht zuverlässig verfügbar, kann die Funklösung problematisch sein.
Nach den Recherchen von Business Insider kommen dann DSL oder Glasfaser als Alternativen infrage. Das kann allerdings deutlich höhere monatliche Kosten verursachen, weil damit ein vollständiger Internetanschluss gebucht wird, obwohl der Kunde eigentlich nur telefonieren möchte.
Gerade bei dieser Kundengruppe ist das ein grundsätzliches Problem: Ein Teil der Betroffenen hat sich bewusst gegen einen Internetanschluss entschieden und benötigt lediglich einen zuverlässigen Telefonanschluss.
Kunden sollten Schreiben der Telekom nicht ignorieren
Die Telekom will die betroffenen Kunden mehrfach über die bevorstehende Umstellung informieren. Wer auf schriftliche Mitteilungen nicht reagiert, soll zusätzlich telefonisch kontaktiert werden. Dauerhaft weiterbetrieben werden sollen die alten Anschlüsse jedoch nicht.
Im äußersten Fall könnte die Telekom einen Anschluss kündigen, wenn der Kunde einem Wechsel nicht zustimmt.
Ein entsprechendes Schreiben sollte deshalb keinesfalls ignoriert werden. Eine sofortige Zustimmung zum angebotenen Nachfolgetarif ist allerdings ebenfalls nicht erforderlich. Zunächst sollten Kosten, Laufzeit und benötigte Zusatzgeräte geprüft und anschließend Alternativen verglichen werden.
Die Verbraucherzentrale Niedersachsen weist generell darauf hin, dass sich Telekommunikationstarife laufend verändern und ältere Verträge häufig nicht mehr dem aktuellen Markt entsprechen. Bei einem Tarifwechsel sollten insbesondere Lockpreise, spätere Preissprünge und Zusatzleistungen berücksichtigt werden.
Nicht mit der allgemeinen Telekom-Preiserhöhung verwechseln
Die jetzt bekannt gewordene Umstellung der reinen Telefonanschlüsse ist zudem von einer anderen Telekom-Maßnahme zu unterscheiden. Bereits 2026 wurden zahlreiche ältere MagentaZuhause- und Call-&-Surf-Verträge um monatlich zwei Euro verteuert. Davon betroffen waren speziell Verträge, die vor April 2023 abgeschlossen worden waren.
Bei einer solchen einseitigen Preisanpassung gelten andere rechtliche Voraussetzungen. Die aktuellen Telekom-AGB sehen bei einer Preiserhöhung grundsätzlich ein Recht vor, den Vertrag ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist und ohne Kosten zu kündigen. Die Kündigung kann innerhalb von drei Monaten nach Zugang der Änderungsmitteilung erklärt werden.
Bei den jetzt betroffenen rund 1,3 Millionen reinen Telefonanschlüssen geht es dagegen um die vollständige Ablösung einer alten technischen Plattform und den Abschluss beziehungsweise die Zustimmung zu einem Nachfolgeprodukt.
Fazit: Nicht vorschnell dem neuen Tarif zustimmen
Für die Telekom ist die Abschaltung der alten Technik nachvollziehbar: Eine Infrastruktur für eine stetig kleiner werdende Kundengruppe dauerhaft parallel zu modernen IP-, Glasfaser- und Mobilfunknetzen zu betreiben, verursacht hohe Kosten.
Für die betroffenen Kunden bedeutet das jedoch nicht, dass das von der Telekom angebotene Nachfolgeprodukt automatisch die beste Lösung ist. Wer tatsächlich nur telefoniert, sollte die monatlichen Gesamtkosten mit einfachen Mobilfunktarifen vergleichen. Gleichzeitig muss geprüft werden, ob Hausnotruf, Alarmanlage oder andere angeschlossene Geräte weiterhin funktionieren.
Vor allem ältere Kunden und deren Angehörige sollten ein Schreiben der Telekom deshalb genau prüfen. Entscheidend ist nicht nur, was der neue Tarif kostet, sondern ob die neue Technik den bisherigen Telefonanschluss tatsächlich vollständig ersetzen kann.